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Von guten Vorsätzen und überraschenden Ergebnissen

by Christina
Lesedauer ca. 3 Minuten

Meine Audible-Statistik beginnt 2011 mit einem einzigen Buch in meiner Bibliothek – und diese Zahl änderte sichvier Jahre lang auch nicht mehr. Obwohl ich eines meiner Lieblingsbücher ausprobierte (und es mir auch gefallen hat!), wurde ich irgendwie nicht recht warm mit dem Gedanken, mir Bücher vorlesen zu lassen.

Wenn das spannenste am Buch der Klappentext ist…

Nach 2015 habe ich immer wieder ausprobiert, ob Audiobooks nicht vielleicht doch etwas für mich sein könnten und so erweiterte sich meine Bibliothek immer wieder um eine Hand voll Titel pro Jahr.

Fesseln konnte mich allerdings keines: Bis 2019 habe ich kein einziges dieser Hörbücher durchgehört. Mal war der Sprecher zu langatmig, mal die Geschichte uninteressanter als der Klappentext versprach, ab und an hatte ich zwar ein spannendes Buch, aber vergaß schlicht, es weiterzuhören. Aus den Augen, aus dem Sinn.

Und das war kein Problem von Audiobooks per se: In diesen Jahren habe ich generell sehr wenig gelesen und konnte einfach kein Buch finden, das mich so recht begeisterte. Hinzu kam, dass ein Studentenbudget nun mal nicht das luxuriöseste ist. Nach mehreren Anläufen ein gutes Buch, statt Langeweile zu finden, beschloss ich, das Geld besser anderweitig einzusetzen.

Der Funke: wie man sich an Dinge erinnert und sich selbst optimiert

2018 kam es jedoch zu zwei Veränderungen: Erstens habe ich Anfang des Jahres Podcasts für mich entdeckt.

Podcasts sind großartig: (Lange), spannende Sendungen zu schier endlosen Themen für lau. Ich habe stundenlang auf dem Weg von der und zur Uni zugehört, wie Fans über die Geschichten ihrer Lieblingsspiele fachsimpelten oder über Themen, zu denen ich Referate halten sollte. Und weil Podcasts (in aller Regel) nichts kosten, konnte ich mit Genres experimentieren.

Ich probierte Geschichten, Hörspiele, Interview-Podcasts, Nachrichten, Technik-Reviews, Geschichtsgeschehen, …

Noch so ein Vorteil, wenn man Audiobooks (und Podcasts) hört, ist, dass ja niemand weiß, was genau man da gerade verschlingt. Nachdem ich also über meinen inneren Schatten gesprungen war, wagte ich mich auch an ein Thema ran, bei dem Gesprächspartner erfahrungsgemäß innerlich abschalten und mich auf das mentale Abstellgleis stellen: Self-Development-Podcasts.

Die Themen rangierten hier von »Dein perfektes, digitales Ordnungssystem« bis hin zu »Wie man Leuten verschafft, was sie wirklich haben wollen« (Haken daran: Es ging u. a. um Reisen und größere Spenden für wohltätige Zwecke, aber es muss ja nicht alles anwendbar, um interessant zu sein.) Ich habe in diesem Jahr wahnsinnig viel gelernt – das meiste in Bereichen, von denen ich zuvor noch nie etwas gehört hatte. Und hey: Mein digitales Ordnungssystem ist zwar noch nicht ganz perfekt, aber immerhin finde ich inzwischen überhaupt Dateien wieder!

»In 92 Kilometern bitte rechts halten.«

Die zweite, große Veränderung in 2018 war für mich, dass ich eine Teilzeitstelle gefunden habe.

Der Haken daran: Sie befand sich in meinem Heimatort und somit entweder knapp zwei Stunden Fahrt mit dem Auto, oder aber nahezu viereinhalb bis fünf Stunden Zugfahrt (!) von meinem Unistandort entfernt. Diese Strecke fuhr ich (innerhalb der Vorlesungszeit) wöchentlich zwei Mal.

Plötzlich hatte ich also wahnsinnig viel Zeit, die ich füllen musste und so schmolz meine »noch zu hören«-Podcastliste zusehends dahin. Hinzu kam, dass ich begonnen hatte, die Abspielgeschwindigkeit der Podcasts zu erhöhen – zu Beginn noch eine Herausforderung aus reiner Neugierde, inzwischen Gewohnheit. Ich hörte also nicht nur wesentlich länger und häufiger, sondern auch schneller durch.

So »endete« ich bei Audiobooks.

»12 Bücher zu lesen wäre schon echt eine Leistung«

Ich wusste durch verschiedene Podcasts von Personen, deren Interviews oder Geschichten mich besonders interessierten und die Bücher zu besprochenen Themen geschrieben hatten. Lesen war allerdings im Auto (oder im üblicherweise hoffnungslos überfüllten Zug) eher schlecht, also führte mich mein Weg zurück zu Audible – nur dieses Mal eben nicht in die Fantasy-Abteilung, deren Audioleichen tief in meiner Bibliothek vergraben liegen.

Meine ersten zwei, drei Bücherkäufe waren nicht weltbewegend, aber spannend: Manchmal war der Podcast zum Thema nur etwa eine halbe Stunde lang gewesen, das Buch jedoch lief nahezu sechs, sieben Stunden und ging wesentlich mehr in die Tiefe. Diese ersten paar Bücher führten jedoch zu einem Vorhaben, das inzwischen 52 Wochen zurückliegt: 2019 sollte das Jahr werden, in dem ich wieder anfing, zu lesen. Mein Ziel waren 12 Bücher – 12 mehr, als in den fast acht Jahren zuvor zusammengerechnet.

Es wurden 56.

10 Romane, 46 Sachbücher.

Ich muss verrückt geworden sein.

Um mich auch später noch daran zu erinnern, was in den jeweiligen Büchern stand, führte ich zuerst eine einfache Liste, dann langsam eine komplexe Datenbank zu jedem Titel. Schon weil ich einen riesen Spaß daran hatte, diese Liste stetig erweitern zu können, führte mich mein Weg immer wieder zurück in meine Audio-Bibliothek.

Ich habe im letzten Jahr wahnsinnig viel gelernt und weil mein Vorhaben so ein voller Erfolg gewesen ist (und in diesem Jahr fortgesetzt wird), nehme ich mir für 2020 einen neuen Vorsatz: Ich werde über das, was ich höre, schreiben. Das werden in der Regel meine Meinungen zu gehörten Büchern sein, aber vermutlich auch Podcasts beinhalten.

Ich bin gespannt, wie das klappen wird.

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