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Von einer, die auszog, neue Fragen zu finden

by Christina
Lesedauer ca. 2 Minuten

Blogs und Bücher, die zum Thema Effektivität schreiben, haben einen Tipp, welchen sie immer wieder aufwärmen: »Suche dir einen Mentor, nichts ist so wichtig, wie einen Mentor zu haben«.
Aber wie soll ich das anstellen, wenn ich nicht weiß, welche Fragen ich stellen sollte? Wenn ich gar keine Fragen habe? Habe ich dann Pech gehabt und muss auf diese scheinbare Quelle des Erfolgs verzichten? Ich will aber nicht!

Der Kreisverkehr im Kopf

Als ich anfing, nach besseren Arbeitsweisen zu suchen, stolperte ich andauernd über diesen Mentor-Hinweis. Wochenlang grübelte ich darüber nach, wo ich einen finden könnte. Irgendwann merkte ich allerdings, dass mir keine Fragen einfallen wollten, die ich hätte stellen können.

Es gibt in Oldenburg eine… Verkehrssituation, in der mehrere Kreisverkehre ineinandergreifen, hin und wieder durch eine plötzlich auftretende Kreuzung unterbrochen. Glücklicherweise musste ich dort nicht meinen Führerschein machen, aber mental ist diese Fahrbahnführung mein Zuhause. Ich kannte jeden Baum am gedanklichen Fahrbahnrand, jedes Schild, jedes Gebäude.

Ich brauchte dringend einen Szenenwechsel. Vielleicht würden mir dann wieder neue Ideen kommen – und so neue Fragen, die mich vielleicht weiter bringen könnten.

Themen, die mir nichts sagten

Also fing ich an, meinen Kopf mit neuen Themen zu füttern. Vorerst noch, ohne Hintergedanken – einfach nur neue Themen, um der Neuheit wegen. Vielleicht würde ich ja über das ein oder andere Ding stolpern, das ich umsetzen könnte. Ich hatte bereits gemerkt, dass mir Produktivitätsthemen Spaß machten. Um jedoch eine Grundlage zu haben, um diese Anwenden zu können, brauchte ich neue Routinen als Fundament (dachte ich zumindest).

Die ersten Podcasts und Audiobooks, die ich hörte, drehten sich um dieses Thema. Thematisch wurden dort jedoch auch immer wieder Quellen zu »Leadership« (ich kann mit der deutschen Übersetzung des Wortes nicht recht was anfangen, egal welche ich nehme, sie fühlt sich nicht richtig an) angesprochen. Nun, ich habe eigentlich nicht vor, ein Unternehmen zu leiten, aber es klang so spannend, dass ich in dieser Ecke weitermachte.

Aber die Themen uferten immer weiter aus. Psychologie gesellte sich dazu, Verhandlungskunst, Marketing, Design, Gründung und Unternehmensführung, Organisation und Routinen und noch so manches mehr. Themen, bei denen ich dachte, ich würde sie vermutlich so wenig verstehen wie anwenden können.

Dachte ich zumindest.

Ich habe in nahezu jedem Buch Dinge gelernt, über die ich nie nachgedacht habe. Jede Quelle gab mir Dutzende neue Ideen und einen Blick in Bereiche, von denen ich vorher nicht einmal gewusst habe, dass es sie gibt und was alles von ihnen abhängt. Am frustrierendsten war der Themenbereich »Marketing«, da ich zwar ausgebildete und studierte (Medien)Designerin bin, aber ich erst jetzt verstanden habe, dass das, was ich unter Marketing gelernt hatte, fröhlich konzentrische Kreise um die Realität zieht.

Ein Jahr später

Ich habe im letzten Jahr so viel gelernt, wie in keinem Jahr zuvor (möglicherweise würde mir mein Grundschul-Ich hier widersprechen). Endlich habe ich neue Fragen gefunden und sie sind spannend.

Nein, ich habe noch immer keinen Mentor. Aber das bedeutet nicht, dass man auf Wissen, Ideen, Lernmomente oder gute Ratschläge verzichten muss.

Ich habe in so vielen Podcasts, Interviews und Audiobooks Menschen gehört, die voller Begeisterung von Dingen erzählten, die ihnen am Herzen lagen. Ich bin immer wieder von Themen begeistert worden, die ich zuvor als »meh« abgetan hatte. Ich habe wahnsinnig viel gelernt und bin immer wieder auf unbekanntem Terrain, statt im immer gleichen Kreisverkehr.

Und das ist – für mich, in diesem Moment – das Wichtigste.

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