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Review: 99% invisible – Episode 281 – La Sagrada Família

by Christina
Lesedauer ca. 3 Minuten

Wenn ich in einer Sache richtig gut bin, dann darin, meine eigenen Grundsatzaussagen falsch einzuschätzen.
»Ich werde nie etwas mit Video machen.« (Wenige Jahre später ist es ein Hobby.)
»Webdesign bringt nichts außer viel Frust.« (Noch so ein plötzliches Hobby.)
»Warum hören, wenn ich lesen kann?« (Ich, vor zwei Jahren, vor dieser (meiner ersten) Podcastfolge.)

Was ist 99% invisible?

→ 99% invisible ist ein englischsprachiger Podcast, der von Roman Mars und seinem Team erstellt wird.
Zu jeder Folge gibt es auf ihrer Seite weiteres Material – Artikel mit Bildern, Videos, Soundausschnitten und vielen mehr. Einen dieser Artikel hatte ich auf meinem heimischen PC gelesen und mitten drin unterbrechen, da ich einen Bus erwischen musste. Da es aber so spannend war, lud ich doch noch die zugehörige Podcastfolge runter – und war angefixt.

Jede Folge ist fantastisch recherchiert und mit Musik, Geräuschen, Interviews, und so vielem mehr ergänzt. Egal, wie »trocken« mir ein Thema zuerst erscheint, Roman Mars lässt Spannung aufkommen.
Themen umfassen Architektur, Infrastrutur, Technologien, Geschichte, Objekte, …

Kurz: Design und dessen Anwendung.

Link zur Folge:   »La Sagrada Familia« (35min lang)

Meine erste Folge war für mich»La Sagrada Familia« (die Basilika 1Es gibt zwei Definitionen einer Basilika: Zum einen beschreibt es die Bauform, bei der der Mittelbau alle weiteren Teile der Kirche überragt, andererseits kann der Papst Kirchen den Titel “basilica minoris” verleihen und so ihren besonderen Stellenwert verdeutlichen. Hierzu zählen beispielsweise Wallfahrtskirchen. in Barcelona, designed von Antoni Gaudí Anfang des 20. Jahrhunderts).

Die Glasfenster der Sagrada Familia | Foto von Andrey Grinkevich on Unsplash

Der Host: Roman Mars

Roman Mars (*1974, USA) hat eine gänzlich unaufgeregte Art seine Themen zu präsentieren, aber es fällt nicht schwer, ihn sich mit leuchtenden Augen bei der Aufnahme der Podcasts vorzustellen. Er und sein Team arbeiten unabhängig im eigenen Studio, aber zu Beginn entstand alles, wie bei vielen anderen Podcaster auch, in seinem Schlafzimmer:

»I *ahem* strategically keep clothes strewn around and pile papers and books to make the room soft and free from echo. My desk is next to the closet, so I took the door off and replaced it with a curtain. You don’t need nice stuff or a studio. You just need to work.«

– Roman Mars (https://99percentinvisible.org/about/the-show/)

Er hat eine sehr ruhige, klare und unaufgeregte Art zu erzählen. Lediglich bei Gesprächspartnern in Interviews oder historischen Aufnahmen kann es etwas undeutlich werden.

Warum ausgerechnet diese Folge?

Die Geschichte der Sagrada Família ist so spannend, wie das Gebäude an sich. In rund 35 Minuten wird auf die Geschichte und die Gegenwart des Baus eingegangen und Interviews mit Bauherren und Angestellten der Basilika gesprochen und dabei nicht nur Faktenwissen vermittelt, sondern auch die ein oder andere Geschichte, die zum Schmunzeln bringt.

Zu diesen Geschichten gehört die des Esels auf der Fassade der Basilika, die die Geburt Christi erzählt. Jede Fassadenseite hat ein anderes Thema.

Gaudí legte perfektionistischen Wert auf die Realitätstreue der dargestellten Figuren. Das bezog sich nicht nur auf die Menschen, sondern auch auf die Tiere. An einer Stelle benötigte er einen Esel, der aussehen sollte, als wäre er 40 Tage und Nächte durch die Wüste gegangen. Alle Esel, die ihm präsentiert wurden, waren jedoch zu wohlgenährt und wurden von ihm zurückgewiesen.

» One of Gaudí’s workers actually wandered the streets, until he found the perfect, starving donkey, which he exitedly handed over to Gaudí. He took the donkey and put the donkey in a harness, had it chloroformed and then he cast the whole, live donkey. «

99% invisible: Episode 281, La Sagrada Familia, ab 00:10:46
Blick an die Decke der La Sagrada Família | Foto von Claudio Testa on Unsplash

Was ich daraus mitgenommen habe

  • Podcasts sind eine fantastische Präsentationsvorbereitung.
    Nicht nur, dass sie einem bereits ein Grundgerüst für die eigene Präsentation liefern, sie sind auch in der Lage, selbst auf den ersten Blick »langweilig« wirkende Themen spannend zu verpacken und in 30-60min erhält man einen Überblick über die wichtigsten Bereiche des Themas. Wenn ich neue Präsentationsthemen bekomme, schaue ich zuerst auf 99% invisible nach, ob es eine Folge zu dem Thema oder einem ähnlichen gibt und baue meine Quellenrecherche von da aus gehend weiter aus.
  • Eine gute Präsentation braucht zwar gute Quellen, aber sie lebt von der Geschichte, die erzählt wird. Musik und Sounddesign sind auch nicht zu vernachlässigen.
  • Offenbar gibt es so komplexe Architektur, dass sie nur mit Spezialsoftware aus dem Luftfahrtbereich berechnet und nachmodelliert werden kann – und das bei einem Gebäude, das in der Zeit vor Computern entworfen wurde.
  • Aus dem Gedächtnis aus zu arbeiten bringt nichts. Man benötigt eine Vorlage. (Siehe Eselproblem)

Anmerkungen   [ + ]

1. Es gibt zwei Definitionen einer Basilika: Zum einen beschreibt es die Bauform, bei der der Mittelbau alle weiteren Teile der Kirche überragt, andererseits kann der Papst Kirchen den Titel “basilica minoris” verleihen und so ihren besonderen Stellenwert verdeutlichen. Hierzu zählen beispielsweise Wallfahrtskirchen.

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