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Measure what matters | Gezielt Unternehmensziele stecken und erreichen

by Christina
Lesedauer ca. 6 Minuten

In »Measure what Matters« (2018) von John Doerr, geht es in erster Linie um eines: OKRs. OKRs sind ausgeschrieben »Objectives and Key Results«. Was so trocken und kurz klingt, ist jedoch eine wahnsinnig wirksame Methode, Unternehmensziele umzusetzen. Nicht umsonst gehören sie zum festen Werkzeugkasten von Google und vielen weiteren Unternehmen wie Twitter oder Uber.

Nach der Beendigung des Buches kann ich verstehen, warum OKRs so wirkungsvoll sind und habe Teile davon in meine eigene Arbeitsweise aufgenommen. (Und nebenbei: Dies ist das das erste hier vorgestellte Buch, das nicht gelb ist! Vielleicht ein Zeichen, dass wir uns von den Büchern zur Gewohnheitsbildung entfernen?)

Ein Blick zurück

Der Entwickler von OKRs scheint Andy Grove gewesen zu sein, der davon in seinem 1983 erschienenen Buch »High Output Management« geschrieben haben soll. So richtig in Fahrt kam das System jedoch erst ab ca. 1999 – beinahe 25 Jahre, nachdem John Doerr, der Autor des Buches »Measure what Matters«, selbst dieses System kennen gelernt hat.

Dieser gab sein Wissen nämlich an das kleine Startup namens Google weiter, wo es seit dem zum anhaltenden Erfolg des Unternehmens beiträgt. Google hatte damit so viel Erfolg, dass seit dem immer mehr Firmen überall auf der Welt schauen, wie sie das geschafft haben. Natürlich gehören Produkte, Support, Design, Technik und vieles Andere dazu, dass Google heute da ist, wo es ist. Aber all das hängt von einer Sache ab: Dem Mission Statement.

Das Mission Statement – oder auch Objective

Ich bin ein großer Fan von Mission Statements in Unternehmen und kenne genügend Leute, die sich dabei die Haare raufen, weil sie den Begriff nicht mehr hören können. Aber was steckt dahinter?

Stell dir vor, du gründest eine Firma. Das kann wirklich alles sein: Ein örtliches LARP-Café, ein Planungsbüro, ein Putzdienst, ein Buchhaltungsbüro, InstaTockBook,…

Und nun frage dich: Warum? Was ist dein Ziel? Deine Mission? Warum ausgerechnet dieses Unternehmen?
Bitte denke jetzt nicht, »Geld verdienen«. Das sollte klar sein; ohne Geld keine Firma, kein Dach über dem Kopf, kein Essen. Diese Frage so zu beantworten ist so frustrierend wie auf die Frage »Warum wollen Sie bei uns arbeiten?« mit »Weil ich Geld brauche« zu reagieren (Dazu bald mehr).

So sieht beispielsweise das aktuelle Objective von Google aus:

» Unsere Mission: Die Informationen dieser Welt organisieren und allgemein zugänglich und nutzbar machen. «

Quelle: https://about.google/

Für ein Hotel könnte das Mission Statement dagegen so aussehen:

»Wir bieten den höchsten Komfort und das beste Urlaubserlebnis für unsere Gäste im Landkreis. «

Ein »Objective« in einem OKR ist, was du mit deinem Unternehmen erreichen willst – die Mission, oder auch das Ziel. Es muss zeigen, wo die Reise hingehen wird.

Dieses formulierst du nicht nur aus, sondern arbeitest es in alle Bereiche des Unternehmens ein. Schreib es an Wände, lass es auswendig lernen, erwähne es immer und immer wieder. Es sollte ambitioniert sein – und quasi unerreichbar. Es ist das Ideal, an dem das Unternehmen sich messen wird und es inspirativ zu formulieren ist tatsächlich überraschend wichtig. Menschen lernen ungern Listen auswendig, aber Geschichten? Inspirationssätze? Die können wir uns merken. Vielleicht belächeln wir sie, aber sie bleiben im Kopf stecken.

Key Results – wie man zum Ziel kommt

Key Results sind im Gegensatz zum Objective sehr realitätsgebunden und vor allem eines: Messbar. Sind sie nicht messbar, sind es keine Key Results. Diese Ziele werden üblicherweise für einen bestimmten Zeitraum festgelegt, beispielsweise drei oder sechs Monate. Zu lang sollte ein solcher Zeitraum nicht sein, da die Auswertung sonst möglicherweise für Kurskorrekturen zu spät kommen kann.

Auch muss sich in der Menge beschränkt werden: Natürlich wäre es super, wenn man sich in allen Wunschbereichen verbessern würde, aber realistisch ist das nicht. Bis zu drei Ziele sollten gewählt werden, nicht mehr. So besteht die Chance, das Unternehmen auf genau diese Punkte zu konzentrieren und gezielt daran zu arbeiten, statt Arbeitskräfte auf unzählig viele Bereiche mit nur geringen Auswirkungen aufzuteilen.

Unter Key Results fallen also beispielsweise »ein Rating von 9.0/10 für unser Hotel auf der Buchungsplattform erreichen«, oder auch »15 neue Kunden pro Monat gewinnen«.

Die Umsetzung

Um beispielsweise ein solches Rating zu erhalten, ist Raumaustattung, Kundeninteraktion vor Ort, aber auch Kundenkommunikation im Netz wichtig. Präsenz auf möglichst vielen Social Media Kanälen eher nicht und auch das Posten täglicher Stories auf besagten Plattformen wird das gesteckte Ziel eher nicht erreichen. Dabei ist es leider egal, wie viel Spaß dir oder deinen Kollegen die Produktion vielleicht auch machen mag. Durch dieses Ziel ist klar: Weniger Posten, mehr Kundenkontakt ( »immer jemand an der Rezeption«), besserer Service ( »Ansprechen und Anbieten von Ausflugszielen«) und bessere Ausstattung ( »Weiches Toilettenpapier, zwei Yogamatten pro Zimmer, nicht-durchgelegene Matratzen in jedem Bett«).

Mit diesen Infos können Mitarbeiter ans Werk schreiten und entweder Listen abarbeiten, oder selbstständig überlegen, wie sie zu dem Ziel beitragen können. Auch können Arbeitsaufträge gezielter gesteuert werden: Wer kümmert sich um den digitalen Service? Wer schreibt Kunden nach dem Aufenthalt an – oder gibt es ein digitales Werkzeug dafür? Wer hält die Augen offen für spannende Ausstattungsideen? Wie soll eigentlich »hochwertige Kundenkommunikation« aussehen?

Diese Ziele sind verbindlich für alle im Unternehmen – auch und erst Recht die Firmenleitung. Diese ist Vorbild für alle, denn wenn beispielsweise die Firmenleitung grundsätzlich Kundenprobleme belächelt, wird sich das auch auf das Verhalten der Angestellten auswirken.

Sichtbare Ziele für alle

Diese Ziele bleiben jedoch nicht hinter Meetingtüren, sondern werden für alle sichtbar gemacht. So kann jeder sehen, wer woran arbeitet und gegebenenfalls selbst mit anpacken. Es hilft außerdem dabei, die Wichtigkeit von Aufgaben zu bewerten, die auf einen zugetragen werden: Projekt X muss in zwei Wochen fertig sein, um eines der Ziele in greifbare Nähe zu bekommen, aber auf ein Mal liegen Arbeitsaufträge zu Projekt Y und Z auf dem Tisch? Wenn Arbeiten nicht dazu beitragen, das Ziel zu erreichen, müssen sie entweder von jemand anderem erledigt werden, oder warten.

Kommunikation ist hierbei wichtig, vor allem, dass man die Begründung mit angibt: »Ich kann derzeit an Y und Z nicht arbeiten, weil X all meine Aufmerksamkeit benötigt«. Ich arbeite seit ich dieses Buch gehört habe selbst auf diese Weise und kann sagen: Es funktioniert, aber zu Beginn war es nicht ganz einfach, meine Arbeitszeit so zu verteidigen.

Für mich war hierbei jedoch aus Angestelltensicht vor allem eins spannend: Zu wissen, dass meine Arbeit wichtig ist. Warum mache ich eigentlich das, was morgens auf dem Tisch und im Postfach liegt? Durch Ziele wird deutlich: Um einen bedeutsamen Einfluss darauf haben zu können, wie die Zukunft des Unternehmens aussehen wird.

Messen, auswerten und Besprechen

Es ist von größter Wichtigkeit, dass in gewissen Abständen überprüft wird, ob Handlungen (noch) zielführend sind und in wie fern sie eingehalten/umgesetzt wurden. Dafür gibt es inzwischen digitale Software, wobei allerdings nicht alles digital getrackt werden kann – oder gar sollte. Man stelle sich hierbei einen Barkeeper vor, der nach jeder Interaktion eine Eingabe machen müsste.

Hier habe ich auch mein größtes Problem mit »Measure what matters«, da es vor allem über prozentual erfassbare Ziele schreibt. Wenn ein Ziel bedeutet, dass jeden Tag X Anrufe getätigt werden müssen, ist das sicher machbar, aber vor allem bei direktem Kundenkontakt stelle ich mir das schwierig vor.

Auswertungen haben jedoch auch zum Ziel, neue Ziele zu entwickeln. Vielleicht wurden gesteckte Ziele erreicht, aber vielleicht stellte sich auch heraus, dass manche Ziele nicht die gewünschten Resultate gebracht haben. Möglicherweise waren die gesteckten Ziele genau die, die das Unternehmen gebraucht hat und jetzt sollte man sogar noch mehr Zeit und Ressourcen hineinstecken? Durch Auswertungen lässt sich schnell feststellen, ob das Unternehmen noch auf dem Weg ist, das Objective zu erreichen, oder sich zwischenzeitlich verzettelt hat.

Das Buch ist spannend für…

Ausnahmsweise schreibe ich hier mal nicht »jeden«, denn streckenweise kann die Materie etwas trocken wirken. »Measure what Matters« ist klar an Leute in oder mit Interesse an Management-Positionen adressiert. Wer sich nicht dafür interessiert, wird keine große Freude an diesem Buch haben, fürchte ich. Auch kann es teilweise frustrierend sein, von erfolgreichen Firmen und Umsetzungen zu lesen, aber möglicherweise keinerlei Anwendungsmöglichkeit im eigenen Alltag zu bekommen. Mich haben jedoch die Beispiele für Mission Statements, Ziele und vor allem Umsetzungsmethoden aus aktuell bekannten, internationalen Unternehmen begeistert.

Hier geht es weiter

Deep Work von Cal Newport (Review)
Inzwischen beinahe obligatorisch. Hier geht es auch darum, gesteckte Ziele zu erreichen, jedoch eher auf der persönlichen Ebene. Das kann man sowohl beruflich, als auch privat einsetzen und gibt viele Hinweise und Denkanstöße, wie man seine Arbeitsweisen umstricken kann.

Sprint von Braden Kowitz
Entwicklung muss nicht ewig dauern. In Sprint geht es darum, innerhalb kürzester Zeit neue Ideen für neue Produkte und Projekte zu entwickeln und diese schnellstmöglich umzusetzen.

The Personal MBA von Josh Kaufman
Wie funktioniert eigentlich ein Unternehmen? Von Finanzen bis Management, hier steckt alles drin.

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