Home Gewohnheiten Die Pomodoro-Methode | Mit dem Kurzzeitwecker an die Arbeit

Die Pomodoro-Methode | Mit dem Kurzzeitwecker an die Arbeit

by Christina
Lesedauer ca. 5 Minuten

Das Schwierigste an einem Projekt ist für mich grundsätzlich der Anfang. Bestes Beispiel: Kaum hatte ich meine Textverarbeitung für diesen Eintrag gestartet, kam eine Nachricht von Outlook rein, dass ein neuer Newsletter eingetroffen sei. Die Benachrichtigung war noch nicht ganz weg, da hatte ich schon das Programm gewechselt um nachzuschauen. Dabei wurde mir gesagt, welcher Newsletter es ist und üblicherweise stauben die erstmal im Posteingang vor sich hin, bevor ich sie beachte.

Aber nicht jetzt. Jetzt wollte ich ja eigentlich einen neuen Beitrag schreiben. Das ist wie: »Ich fang jetzt mit meiner Diät an, also sollte ich alle Schokolade im Haus aufessen, um morgen nicht in Versuchung zu geraten.«

Kommt dir das bekannt vor? Wenn ja, könnte ich ein praktisches Werkzeug für dich haben.

Der Kurzzeitwecker und du

Dieses Werkzeug nennt sich »Pomodoro-Methode«. Benannt wurde es nach einem Kurzzeitwecker in Tomatenoptik 1Pomodoro ist italienisch für Tomate. und ist auf dem Papier denkbar einfach:

  • Bevor du ein Projekt angehst, lege dir Stift, Zettel und Kurzzeitwecker bereit
  • Stelle dir den Wecker für 25 Minuten
  • Während dieser Zeit bearbeitest du ausschließlich das Projekt/deine Aufgabe
  • Fallen dir Dinge ein, die du tun solltest? Telefonanrufe, aufräumen, essen, ein Glas Wasser holen, Toilette, Social Media,…? Schreib es mit ein, zwei Worten auf das Papier auf.
  • Sobald der Wecker klingelt, machst du fünf Minuten Pause. Nutze diese Zeit, um auf deinem Zettel nachzuschauen, was jetzt tatsächlich noch wichtig genug ist, dass du es in diesen fünf Minuten schaffen kannst.
  • Nach den fünf Minuten stellst du dir erneut einen Wecker mit 25 Minuten
  • Wiederhole das, bis du vier Durchläufe geschafft hast. Mache eine 15-30-minütige Pause.
  • Fang’ wieder oben an

Ich schreibe »auf dem Papier«, denn bei den ersten paar Durchläufen ist es erstaunlich schwierig, wirklich bei der Sache zu bleiben. Ist mein Projekt „Schreibe das Einführungskapitel zur Hausarbeit«, gehört da beispielsweise kein Browsen dazu. Alle Infos, die mir in den 25-Schreibminuten fehlen, markiere ich mit mehreren X wie hier: »The Power of Habit wurde von XXX XXX geschrieben.« Drei X sind – für mich – dabei ideal, da sie so in keiner Sprache vorkommen.

Nach wenigen Durchläufen hatte ich mich allerdings daran gewöhnt, nicht sofort alle Infos nachzuschlagen. Das Resultat war erstaunlich: Ich konnte in wesentlich weniger Zeit wesentlich mehr auf dem Papier stehen haben. Das Ausfüllen der Markierungen war auf eine spätere Pomodoro-Session verlegt, die sich ganz der Recherche widmete.

Aber warum sollte man nicht direkt googlen? Weil Recherche ein tolles Synonym für Ablenkung ist. „Ich bin ja bei der Arbeit, ich muss nur noch etwas raussuchen« ist schon so manches Mal beim Thema gestartet und bei Meerschweinchen und Pinguinen geendet. Das nahezu leere Worddokument blickte vom zweiten Monitor vorwurfsvoll zu mir auf, mein Kalender wies mich darauf hin, dass ich nur noch wenige Stunden bis zur Abgabe der Arbeit hatte. Trotzdem hatte sich das »Recherchieren« sehr produktiv angefühlt – war es nur eben nicht gewesen.

Setzt man sich jedoch hin und arbeitet fokussiert an einem Teil seines Projekts, kommt man nicht nur schneller voran, sondern hat auch die Möglichkeit, in den Flow zu geraten.

Kleiner Exkurs: Flow?

Was da so eckig klingt, ist der Fachbegriff dafür, wenn man ganz in seinem Tun versunken ist und das Vergehen der Zeit quasi nicht mehr wahrnimmt. In Spielen ist das typisch, oder auch beim Lesen eines guten Buches. Streckenweise passiert es sogar beim Aufräumen, oder auch bei handwerklichen Tätigkeiten. Erforscht und benannt wurde dieser Zustand von Mihály Csíkszentmihályi (der Nachname klingt wie »Chick-send-me-high«).

Um in Flow zu geraten, darf die gestellte Aufgabe weder zu leicht noch zu schwierig sein. Wir müssen von unserem Tun gefordert werden und Feedback darüber erhalten, dass wir vorankommen (das erklärt auch, weshalb Computerspiele so gut darin sind, uns in Flow zu versetzen). Außerdem müssen wir Gefallen an dem haben, was wir tun – »Spaß« ist vielleicht das falsche Wort, wenn ich überlege wie frustrierend so manches Spiel ist, das mich trotzdem fesselt.

Die Pomodoro-Methode mit ihrem Schwerpunkt auf fokussiertem Arbeiten und der Chance, dadurch in Flow zu geraten, ist quasi die perfekte Umsetzung in die Praxis von dem, was Cal Newport in Deep Work geschrieben hat.

Der digitale Tomaten-Timer

Kurzzeitwecker haben einen gewaltigen Störfaktor: Das ewige Ticke-ticke-ticke-ticke. Und nein, ich mag die digitalen Kurzzeitwecker in der Küche nicht, deren Piepton macht mich grantig.

Abhilfe schaffen hier Smartphone Apps, von denen es mehr gibt, als sich zu zählen lohnt. Manche sind reduziert auf das Anzeigen des Timers, andere verknüpfen es mit To-Do-Listen oder Gamification und Ranglisten. Ich werde hier die App vorstellen, die ich benutze.

Focus To-Do

Startbildschirm von Focus To-Do

Ich nutze die App »Focus To-Do«. Nach dem Start wird direkt das Kernstück gezeigt: Ein recht minimalistischer Timer und ein selbsterklärender »Starten«-Button. Eine alternative Optik kann man wählen, wenn man auf das mittlere der drei unteren Icons tippt.

Manchmal arbeitet man an Orten, deren Geräuschkulisse zu stark ablenkt. Für diese Fälle bietet Focus To-Do mehrere Geräusche (so genanntes White Noise) an, die man während der Arbeitsphase laufen lassen kann; persönlich mag ich die Wind- oder Wildnisgeräusche am liebsten. Die Bibliothek ist mir leider etwas zu hektisch. Wer trotzdem auf das Tick-tack eines Analogen Weckers nicht verzichten möchte (aus welchen Gründen ist mir schleierhaft), wird hier ebenfalls fündig. Sowohl »tack-tack-tack« also auch »ticketicketicke« werden angeboten.

Die Tropfen um den Timer füllen sich mit jeder vergangenen Minute. Möchte man die Dauer der Pomodoro-Session verändern, kann man auf der Zeit einfach nach oben oder unten streichen, um die Minuten anzupassen.

Aufgaben und Extras in Focus To-Do

Aufgabenerstellung bietet auch Erinnerungen und Wiederholbare Aufgaben an.

Generell bietet diese App wesentlich mehr Einstellungsmöglichkeiten, als sie auf den ersten Blick verrät, denn: Wie der Name bereits verrät, handelt es sich bei Focus To-Do um eine Aufgabenverwaltung! Ich liebe To-Do-Listen und hier ist direkt mit eingebaut, dass man für die Erledigung Pomodoro-Timer nutzt. Man kann mit wenigen Handgriffen neue Aufgaben hinzufügen und einstellen, wie viele Pomodoro-Sessions man dafür vorsieht. Meine tägliche »Lesen«-Aufgabe hat beispielsweise einen Pomodoro-Timer, aber in Lernphasen habe ich zur Klausurvorbereiten auch schon 3-4 Pomodorotimer eingestellt, die sich täglich wiederholten.

Als Bonus bietet Focus To-Do noch zwei spannende Goodies: Einerseits die Möglichkeit, sehr detaillierte Statistiken zur Nutzung einsehen zu können aber darüber hinaus sogar ein eingebautes Spiel, bei dem man einen Wald wachsen lassen kann. Hierzu sammelt man via durchgeführten Pomodoro-Sessions/abgeschlossenen Aufgaben »Sonnenlicht« in variablen Mengen.

So sehr ich gut gemachte Gamification liebe: Mit diesem Spiel und der zugehörigen Rangliste habe ich mich nicht sonderlich beschäftigt. Mein Hauptaugenmerk ist bei der App, dass ich meine Arbeit fokussiert erledige und dabei einen Helfer in der Tasche habe, der mich dabei unterstützt. Diese Spielmechanik kann getrost links liegen gelassen werden und stört nicht weiter bei der Nutzung.

Focus To-Do gibt es für Android, Apple und viele mehr.

In der Praxis

Als ich vor wenigen Jahren zum ersten Mal über die Pomodoro-Methode stolperte, belächelte ich sie noch. Meine ersten Versuche waren… nunja, »anstrengend« trifft es wohl am ehesten, denn ich musste mich oft von ablenkenden Tätigkeiten abhalten. Inzwischen nutze ich die Methode jedoch bereits seit Monaten erfolgreich dabei, meine Arbeit und meine Projekte besser zu strukturieren.

Selbst wenn dir der Ablauf von kurzen Arbeitsphasen mit kurzen Pausen auf Dauer zu rigide ist: Gibt der Methode einen Versuch. Mir passiert es häufig genug, dass ich eine Session anschmeiße, dann aber bereits innerhalb der ersten 25 Minuten so gut in die Arbeit komme, dass ich mir gar keine weiteren Phasen einstelle. Die Pomodoro-Methode ist für mich bei vielen Projekten quasi der »Startschuss«, um in die Arbeit und in den Flow zu kommen.

Anmerkungen   [ + ]

1. Pomodoro ist italienisch für Tomate.

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